Turki Mahmud Bik

vita


Türki Mahmud Bik

geboren 16.9.39 in Deir-Ezzor am Euphrat (Syrien)

mittlere Reife in Deir-Ezzor, Abitur in Aleppo

Studienaufenthalt in Istambul

Sprachstudien in Hannover

Besuch der Werkkunstschulen in Hannover und Hildesheim

Freischaffender Künstler in Syrien und Europa

zahlreiche Einzelausstelungen in Damaskus

und Gruppenausstellungen in Südamerika und Europa

Mitglied im syrischen und arabischen Künstlerverband

Vertreten im Nationalmuseum für moderne Kunst in Damaskus,

sowie in Museen in Bulgarien, Irak und Spanien.

Werke in zahlreichen arabischen, europäischen und amerikanischen Privatsammlungen

lebt und arbeitet in Damaskus und Frankfurt am Main

moderne Ikonen

Das Verhältnis zwischen Europa und dem Orient war und ist nicht ohne Mißverständnisse und Irritationen religiöser, künstlerischer und politischer Art zu beschreiben und zu denken. Auch dort wo ein direkter menschlicher Kontakt stattfand, war er geprägt von unterschiedlichen Interessen und Ansprüchen. Grenzüberschreitungen, die Mißverständnisse auflösen könnten, dienten und dienen bis heute oftmals allein der gegenseitigen kulturellen oder religiösen Abgrenzung oder gar der Distanzierung.

Um so erfreulicher ist es, daß ein Künstler wie Turki Mahmud Bik durch seinen Lebensweg und seine Produktion individuelle Erfahrungen in beiden Kulturkreisen sammeln kann und im Werk die beiden doch so unterschiedlichen Welten mit höchster künstlerischer Ausdruckskraft zu einer Identität verschmelzen läßt ohne das traditionelle Erbe ästhetisch zu verletzten.

Mahmud Biks Bilder leuchten: Kleine bis mittelgroße rahmenlose Rechtecke in den intensiven, lackartig aufgetragenen Farben des Orients: Türkis, violett, rot, orange und tranzendierendes Gold stoßen abgegrenzt und flächig aneinander. Ohne verfließende Mischung oder vermittelnde Übergänge. Die Motive sind die religiösen, menschlichen und archäologischen Erfahrungen des aus Mesopotanien stammenden Künstlers, der die Sagenwelt seines Landes abstrahierend darstellt. Die einfachen und oft stark reduzierten Formen, die so schwer zu schöpfen sind, finden sich mehrmals in den jeweiligen Motiven - aber nicht wie multiple Abzüge oder Kopien. Die dünnen länglichen Frauenfiguren, für die Mahmud Bik bekannt ist, geben in ihrer Vervielfachung und gleichzeitigen Verschiedenheit den Bildern Rhythmus und Struktur. Es waren in der alten traditionellen Malerei einmal Zypressen und Obelisken, die die Erde wegen ihrer Höhe mit dem Himmel verbanden.

Die plakative Klarheit der Flächen wird nur durchbrochen durch die ornamenthaft umrahmenden arabischen Schriftzeichen in Schwarz, Gold oder anderen leuchtenden Farben. Ohne die oft philosophisch-poetisch und literarische Bedeutung zu verstehen, wirkt die Schönheit der Linien und Bogen der Schriftzeichen fast noch beeindruckender in ihrer kunstvollen Ornamentalik. So wird manch ein Buchstabe zum maneristisch ausgestalteten Objekt, zum Initial oder ist nur an seinem Platz, weil der Künstler seine Form an dieser Stelle so passend findet.

Waren die Motive bisher oft die hl. Maria mit dem Christuskind, die christlichen Kirchen und die islamischen Moscheen von Damaskus oder Malula mit seinen Felsenklöstern, die Frauen vom Euphrat in den schlichten stilisierten Trachten oder die Fischwelt des Mittelmeeres, "die sich allerdings im Himmel befindet, weil das Meer zu gefahrvoll und zu schmutzig ist", hat Mahmud Bik diesmal eine besondere Brücke von Damaskus zu seiner Frankfurter Wahlheimat geschlagen. Er wolle mit seinen hier ausgestellten Bildern ein wenig das Licht des Orients nach Frankfurt fließen lassen, sagt Mahmud Bik, der an dieser Stadt gerade die mannigfaltigen internationalen Einflüsse und Anregung attraktiv findet.

Die die reine Kalligraphie überwindenden Schriftzüge und die plakativen Farben weben in ihrer seriellen Vervielfachung und Redundanz aus den Worten Damaskus und Frankfurt einen gemeinsamen Teppich, der in seiner Rhythmisierung eine den Phrasierungen des modernen Jazz folgende Harmonie zwischen den entfernten Welten schafft, die von Unwissenden leider oft durch Voreinstellungen vereitelt wird. Der ironisch spielerische Umgang mit einer Farben- und Formenwelt, die wir oft nur vom Kunsthandwerk kennen, zeigt eine gelungene Synthese mit der Moderne und ist Ausdruck eines lebendigen und zeitgenössischen Umgangs mit jahrtausendealten ästhetischen Wurzeln. Insofern sind Machmoud Biks Bilder zu lesen von Wissenden und Unwissenden - sie sind moderne Ikonen.

Klaus Dudlik

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